Kolumnen

Heute ist eure Chance: Haut d'rauf, Männer!

Eine Woche der großen Festivitäten, beginnend am Montag mit Halloween, einem weiteren Beitrag zur Amerikanisierung unseres Landes. Ein paar Lokalbesitzer, die Kostümpartys veranstalten, sowie steirische Kürbisbauern mag das ja freuen. Doch neben der Tatsache, dass nun überall verfaulende Kürbisse stehen oder liegen, stört dieses Fest die abendliche Besinnung. Immer wieder drückten nach Süßigkeiten bettelnde Kinder den Klingelknopf der Wohnung des Ruhe suchenden Kolumnisten. Lästig war das spätestens ab dem sechsten Mal, vor allem, weil (das einzig Schöne an Halloween) fast alle Fernsehstationen gute, alte, spannende Horrorschinken ausstrahlten. Allerheiligen und Allerseelen konnte ich ignorieren, da meine engsten Freunde und Verwandten Gott sei Dank noch unter uns weilen. Aber (stellen Sie sich jetzt einen Tusch vor!): Heute, Donnerstag, ist der Tag der Tage. Der 3. November ist er „Tag des Mannes". Die Vereinten Nationen haben sich erbarmt und nach Mutter-, Vater-, Kinder- und Frauentag auch uns armen Hascherln einen eigenen Tag gewidmet. Ich weiß allerdings nicht genau, was am Tag des Mannes zu tun ist. Sollen wir im String-Tanga durch die Straßen tanzen und die Muskeln spielen lassen? Sollen wir abends ganz besonders blöde Anmach-Sprüche erfinden? Darf heute nur über Formel I, Fußball und nackte Frauen berichtet werden? Finden irgendwo ein paar Schau-Schlägereien statt? Dürfen wir unseren weiblichen Vorgesetzten so richtig die Meinung sagen? Das müssen uns die Vereinten Nationen schon genauer erklären, denn sonst wissen wir armen Männer ja gar nicht, was an unserem Ehrentag zu tun ist und ziehen womöglich noch in den Krieg ...

 

Der Unbestechliche zum Valentinstag

Das hätte sich der gute Valentin, der im 3. Jahrhundert geköpft wurde, da er trotz Verbots des Kaisers Liebende traute und ihnen Blumen schenkte (schon erstaunlich, aus welchen Gründen früher die Todesstrafe verhängt wurde) wohl nicht träumen lassen: Dass jedes Jahr an seinem Todestag, dem 14. Februar, ein höchstens vom Muttertag übertroffenes floristisches Spektakel entstehen würde. Selbst in Geschäften, die sonst nur mit Eisenwaren oder Tonträgern handeln, kann man an und vor diesem Tag überteuerte Sträuße erstehen. Toll - nicht nur, dass sich all die Liebe wieder Mal auf 24 Stunden fokussiert, man zeigt sie auch noch durch die Blume. Daher ein paar persönliche Tipps, wie man Zuneigung, wann auch immer, sonst noch zeigen könnte: Man miete einen Kranwagen von Micheluzzi (danke für die Rosen), lasse sich in den vierten Stock eines Hauses des Bauunternehmens Rhomberg (die Nelken gefielen mir sehr!) hieven und spiele der Liebsten auf einer Gitarre, erstanden im Musikhaus Kaufmann (schöne Tulpen, danke) ein Ständchen. Oder man hole seinen Schatz im offenen Mercedes (feiner Frühlingsstrauß, liebe Fa. Schneider) ab, lasse sie im Casino gewinnen (woher wussten Sie, dass Lilien mag, Herr Direktor Semmler?) gehe auf einem Bodenseedampfer fein speisen (ein herrliches Bouquet, lieber Christian Greber) und organisiere ein Feuerwerk auf der Festspielbühne (ein aufrichtiges Merci für die Blumen an: Waffen Deuring, Stadt Bregenz, Festspiele, Sicherheitsdirektion). Oder aber man schreibe eine Kolumne im Blättle (ja Herr Kolb, ich mag Orchideen) replicas relojes breitling navitimer und sage einfach: „Bettina ich liebe dich und danke für die Veilchen!"

Noch schöner: Song Contest ohne Songs

Auf mittlerweile stolze 52 Aufführungen brachte es der „Eurovisions Song Contest" (ESC) bereits. Früher ein Pflichttermin für alle, die auf seichte Popmusik oder - so wie ich - auf Tabellen und Wertungen scharf sind (die Reaktionen der Künstler und Moderatoren auf die Punkte aus den verschiedenen Ländern sind allein eine Sendung wert), ist der ESC mittlerweile eher eine Skurrilitäten-Show und zudem ein geopolitisches Phänomen. Egal ist, welcher Hampelmann gewinnt - in diesem Jahr ein ganz okayer Sänger aus Russland mit Schnulze, echter Stradivari (!) und einem Eiskunstläufer (!!). Lustiger und wichtiger ist, wer wem Punkte gibt. Richtig warm wird mir vor allem um's Herz, wenn Kroatien den Serben zehn Zähler gibt, die Bosnier die Montenegriner belohnen und selbst Slowenien seine Höchstwertung dem früheren Kriegsgegner widmet. Ähnliches gilt für die Staaten der ehemaligen UdSSR. Da werden Gräben zugeschüttet statt aufgerissen. Und dass der böse, arrogante NATO-Westen - Deutschland, England, Frankreich etc. - nichts mehr einfährt, hat er ja wohl verdient. Noch schöner und vor allem erträglicher wäre es, wenn es überhaupt keine Musik mehr gäbe und sich die Balkan- und Ostblockländer in europaweiten Live-Übertragungen alle paar Monate die Punkte „einfach so" zuschanzen. Feste der Versöhnung - wichtig nach den Nachrichten.